Der FTS-Jahresrückblick 2020: Ein verrücktes Jahr mit vielen Überraschungen

22. December 2020 / in Trends

Selbstverständlich kann ein Jahresrückblick 2020 nur von der COVID19-Pandemie beherrscht werden. Die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden sind noch nicht absehbar und so herausfordernd für viele von uns dieses Jahr auch gewesen sein mag, ist eine Krise dieses Ausmaßes rückblickend immer auch ein Wendepunkt. Die Chance, die in dieser Krise liegt ist die Digitalisierung, die bereits jetzt einen enormen Schub erfahren hat - in allen Lebensbereichen. Als Infrastrukturanbieter für Finanzdienstleistungen profitieren wir natürlich vom verstärkten Trend. Zum Beispiel hin zum bargeldlosen Bezahlen oder der stärkeren Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen, wie Onlinekrediten. Doch der Reihe nach, denn das Jahr 2020 fing in der Banking-/Fintech-Branche ja eigentlich ganz “normal” an: Nämlich so, wie 2019 aufgehört hat: Die Diskussion um Schnittstellen ging weiter und bestimmte inhaltlich das erste Quartal zu großen Teilen.

Anfang 2020: Die ersten Banken-Schnittstellen werden in die Marktbewährung entlassen

Im Januar 2020 hatte die BaFin die Schnittstellen der Sparkassen, NordLB und BayernLB in die Marktbewährung entlassen. Das war in jedem Fall ein lang erwarteter Schritt, nachdem die 2. Stufe der PSD2 bereits im September 2019 in Kraft getreten ist. Entsprechend zufrieden waren die im Prozess beteiligten Drittanbieter mit der Marktreife der ersten Banken-Schnittstellen - wie Stefan Krautkrämer im Gespräch mit FinanceFWD bestätigte: „Die PSD2-Schnittstelle der Sparkasse ist reif für die Marktbewährung – wir testen sie jetzt unter realen Bedingungen.

Doch trotz der Fortschritte ist noch ein langer Weg zu gehen: Viele andere Schnittstellen seien noch lange nicht auf dem entsprechenden Niveau, um die von der PSD2 geforderte Funktionsäquivalenz zu bieten, wie FTS-Chefjustiziarin Caroline Jenke dem Handelsblatt gegenüber sagte. Man könne daher die Planung einer Migration auf die Banken-APIs noch nicht vornehmen, „weil unbedingt benötigte Daten wie zum Beispiel der Name des Kontoinhabers noch nicht geliefert werden oder es anderweitige technische Probleme gibt”. Zum Thema PSD2 wirkte Caroline Jenke Anfang Februar zudem auf der “Payment Exchange” als Panelistin mit: 180 Payment-Fans – darunter 22 Speaker für sechs Panels und sechs Keynotes. Drei Gewinner der Goldenen Transaktion gaben sich im SOHO Haus die Ehre. Außerdem waren im Februar CMO Martin Schmid und Maximilian Eberhardt (Business Development) auf der Finovate Europe in Berlin als Speaker am Start und stellten FinTecSystems auf großer Bühne vor. Doch das beherrschende Thema in der Branche blieben zunächst die Banken-Schnittstellen.

Finovate 2020

Einige Wochen später war von einem Fortschritt auf Seiten der Banken-API noch nicht viel zu merken. Im Interesse aller Marktteilnehmer sind performante und schnelle Banken-APIs die Grundlage für reibungslose Services. Gerade mit Hinblick auf populäre Endkunden-Banking-Apps braucht es den störungsfreien Zugang zu Kontoinformationen. Anfang März konnte davon bei vielen Banken-Schnittstellen noch keine Rede sein. Weder die Performance noch der Funktionsumfang (Stichwort: Datenparität) war seinerzeit gewährleistet - das war für uns der Anlass, um auch öffentlich zu machen, dass es noch viel zu tun gab: „Aktuell ist es de facto unmöglich, an stabile und funktionsfähige PSD2-Schnittstellen zu gelangen. Derzeit wird bei FinTecSystems kein einziger Online-Kredit über eine PSD2-Schnittstelle zur Entscheidung gebracht, es ist schlicht nicht möglich. Daher kann es aktuell keine Ausnahmegenehmigung vom „Fallback“ geben”, erklärte FTS-COO Hannes Rogall in einem Gastbeitrag im IT-Finanzmagazin.

Ein Land fährt runter: Der erste Lockdown im März - FTS-Hilfe für KMU

Die steigenden Fallzahlen von COVID-19 in den ersten Wochen des Jahres sowie die schrecklichen Bilder der Nachbarstaaten vor Augen entschließt sich die Bundesregierung zu einem Vorgang, für den es keine Blaupause gibt: Ab Mitte März fährt Deutschland komplett runter und die Coronakrise hat das Land fest im Griff. Eine besondere Situation für KMU’s – denn für sie galt es nun, schnell an Liquidität zu gelangen, um Rechnungen, Forderungen, Fixkosten, Gehälter etc. zu bezahlen. In dieser Situation, die wohl die schärfste Vollbremsung unserer Volkswirtschaft in der Geschichte war, half FTS mit seiner Lösung für schnellere Liquidität. Zunächst wurde ab März die digitale Bonitätsprüfung bis auf weiteres kostenlos angeboten - ein wichtiger Service für Unternehmen. Denn wie das IT-Finanzmagazin richtigerweise schreibt, ist „die Dauer der Prüfung der Kreditwürdigkeit möglicherweise entscheidend für die Frage, ob ein Unternehmen rechtzeitig neue Finanzmittel erhält oder mangels Liquidität in die Pleite rutscht”.

Wir bei FTS haben die Hilfestellung für KMU’s einige Wochen später weiter ausgebaut und uns im Mai mit der Creditreform, der Auskunftei für Unternehmen, partnerschaftlich zusammen getan. Gemeinsam ist man stärker lautete die Botschaft hinter dieser Kooperation: „Die Kombination aus Auskunftei-Daten und Echtzeit-Kontoblick ermöglicht Unternehmen und Banken einen schnellen Überblick über die Bonität des Antragstellers. Das kann zu einer deutlich schnelleren Kreditzusage führen und ist eine Entlastung für Unternehmen, Hausbanken und die KfW und die digitale Bonitätsprüfung vorübergehend kostenlos angeboten”, erklärte Martin Schmid im Fachmagazin „gi - Geldinstitute”.

Den Versicherungsmarkt im Blick: großes Potenzial durch Kontoinformationen

Neben Corona gab es im Frühjahr aber auch einige erfreuliche Entwicklungen in einem Markt, dem wir uns verstärkt zuwenden: Im Versicherungsbereich konnten wir nach Vergleichsplattformen wie Check24, verivox und weiteren mit der Allianz-Finanzplattform „HeyMoney” ein weiteres Schwergewicht im Markt gewinnen. Wie das Fachmagazin  „Versicherungsbote” über die Kooperation berichtet, „setzt FinTecSystems auch auf Machine Learning und liefert neben der Kategorisierung von Umsatzdaten beispielsweise auch Haushaltsrechnungen, Risikoanalysen, Umsatzdatenanalysen sowie standardisierte Checks” für die neue Finanzplattform. Die Kooperation stellte FinTecSystems auf der Branchenveranstaltung „Digisurance” ausführlich vor.

Digisurance 2020 - FTS & Heymoney

Gerade die Potenziale von Machine Learning und KI-Methoden in der Versicherungswirtschaft sind groß, das führt auch unser CPO, Dr. Tobias Ruland in einem Gastbeitrag beim „Versicherungsboten” im Detail aus. Demnach können intelligente Datenprodukte, die auf Kontoinformationen basieren, in einigen Bereichen künftig gewinnbringend eingesetzt werden: „Neben der Unterstützung von Vertriebs- und Antragsprozessen lassen sich Kontoinformationen also auch im Aktuariat und in gewissem Umfang in der Betrugsprävention nutzen”, schreibt Tobias Ruland. Dazu gehört unter anderem auch die Identifizierung von so genannten „Key Life Events”, wie etwa Hauskauf oder Heirat - Ein Thema, das durchaus auch bereits in der Branche umgesetzt wird: Mit Jung, DMS & Cie (JDC) setzt im Laufe des Jahres ein weiteres bekanntes Unternehmen der Branche auf FTS. Der Münchner Maklerpool hat in seiner Finanz- und Versicherungs-App “allesmeins” den FTS-Kontocheck integriert. „Über eine Kontodatenanalyse lassen sich beispielsweise Schlüsselmomente im Leben wie Heirat oder Hauskauf frühzeitig erkennen – eine ideale Grundlage für die maßgeschneiderte Kundenberatung”, erläutert Martin Schmid den Mehrwert des FTS-Kontoblicks in diesem Anwendungsfall.

Nach dem 1. Lockdown: Open Banking gewinnt an Fahrt

Nachdem Deutschland ziemlich gut durch die erste Welle der COVID-19-Pandemie gekommen ist, zeigten sich im laufenden Jahr bereits erste Folgen dieser speziellen Situation: Der steigende E-Commerce und die vermehrte Nutzung digitaler Angebote durch die Bürger machte sich in der Branche im Allgemeinen und bei FTS im Speziellen bemerkbar. So konnte das Management-Team in einem Interview mit dem Branchendienst „FinanceFWD” vermelden, dass das Umsatzwachstum 2020 höher ausfallen wird als geplant, was in erster Linie auf Kundengewinnung und den stark steigenden Transaktionszahlen zurückzuführen war. Dadurch wird 2020 am Ende auch ein Gewinn für FTS stehen, ein Meilenstein für das junge Unternehmen und keine Selbstverständlichkeit im Fintech-Markt: „Das Geschäft wächst schneller als unsere Planung, auch die Coronakrise hat den Online-Trend beschleunigt”, bestätigt Stefan Krautkrämer im Gespräch mit FinanceFWD-Redakteur Caspar Schlenk. Für den weiteren Wachstumskurs wird nun eine weitere Finanzierungsrunde angestrebt:„Nun befindet sich Fintecsystems wieder auf Kapitalsuche, um das Wachstum zu beschleunigen: 12 bis 15 Millionen Euro will das Startup von Investoren zusammenbekommen.”

Dem allgemeinen Trend der stärkeren Digitalisierung folgend, ist auch Open Banking auf dem Vormarsch - wenngleich noch einige Bedenken bei den Konsumenten herrschen, wie eine Studie der Unternehmensberatung PWC zeigt, über die das Handelsblatt berichtet. Die Tendenz ist aber grundsätzlich stark steigend, denn gerade im zweiten Halbjahr sind die Transaktionszahlen kräftig gestiegen, wie das Handelsblatt im Gespräch mit Marktteilnehmern herausfindet: „FinTecSystems verzeichnete im August nach eigenen Angaben ‘deutlich siebenstellige Transaktionszahlen’, was mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahresmonat sei. Gezählt würden nur die erfolgreichen Datenzugriffe und ausgelösten Zahlungen.” Zusätzlich startet im August die erfolgreiche Kooperation mit der SWK-Bank. Für das Institut, das bekannt ist für eine der ersten vollständig digitalen Onlinekreditantragsstrecken, stellt FTS die Kategorisierung von Kontodaten und damit ein umfassendes Finanzbild des Antragstellers zur Verfügung. Die Kreditentscheidung erfolgt dadurch in Echtzeit und beschleunigt den Prozess bis zur Auszahlung erheblich. Die Konsumenten nehmen die digitale Bonitätsprüfung gut an: Fast die Hälfte der Antragssteller nutzt den Kontoblick von FTS.

September 2020: Ein Jahr 2. Stufe PSD2 - wo stehen wir nach 12 Monaten?

In Deutschland gibt es eine lange Tradition des Open Bankings, das wird unter anderem wieder deutlich, als BTX 2020 hierzulande sein 40-jähriges Bestehen feiert. Die Technologie,welche in Deutschland entwickelt wurde, eröffnete einst die Möglichkeit zum Online-Banking. Es ist daher nicht verwunderlich, dass im Hinblick auf das nahende einjährige Jubiläum der 2. Stufe der PSD2 im September schnell die Frage aufkam, wo denn Deutschland im Open Banking heute stehe. Aufgrund der intensiven Diskussion der Marktteilnehmer sei die Qualität der Schnittstellen besser als in anderen großen EU-Ländern, stellt Stefan Krautkrämer im Interview mit “gi - Geldinstitute” fest: „Hier sind wir in Deutschland definitiv weiter als andere große Märkte wie UK oder Frankreich.” Dennoch wird gegen Ende des Jahres klar: Auch wenn es einige Lichtblicke gibt, sind wir auch ein Jahr nach der 2. Stufe der PSD2 bei der Qualität der Schnittstellen flächendeckend noch nicht dort, wo wir sein könnten. Das ist die Quintessenz eines großen API-Tests des IT-Finanzmagazins.

Das Fachmagazin nahm mit Hilfe von Datenmaterial von FTS die angebotenen Banken-Schnittstellen unter die Lupe. Für die Bewertung wurden der Funktionsumfang beziehungsweise der Aufbau der Schnittstelle sowie deren technische Verfügbarkeit getestet. Ergebnis: Den ersten Platz teilen sich die Sparkassen-API und die Volks- und Raiffeisenbanken-API jeweils mit der Gesamtnote 2,2.
Damit können diese Schnittstellen, die einen guten Funktionsumfang besitzen, auf eine Ausnahmegenehmigung der BaFin hoffen. Dennoch ergibt sich dahinter ein qualitatives Gefälle, wie Hannes Rogall in einem Meinungsbeitrag im IT-Finanzmagazin feststellt: „So konnten wir in unseren Tests feststellen, dass die Datenparität bei wichtigen Merkmalen zwischen Online-Banking und PSD2-API noch immer nicht vollumfänglich gegeben ist. (...) Hier ist eine zügige Verbesserung im Sinne der Sicherung der Datenqualität und der Vermeidung von inhaltlichen Diskrepanzen wünschenswert.” Ob daher die einjährige Geburtstagsfeier der PSD2 2. Stufe ein Grund zu feiern ist, war auf den ersten Blick unklar. Dieser Frage gehen daher Caroline Jenke und André Bajorat sowie Cornelia Schwertner im hörenswerten Payment&Banking Podcast unter dem Titel “Happy Birthday PSD2 - Ein Rückblick” nach.

Payment and Banking Podcast zur PSD2 mit Andre Bajorat und Cornelia Schwertner

Produkt-Highlights 2020: vollautomatisierter Onlinekredit mit der DKB

Trotz aller Herausforderungen, die noch zu meistern sind, ist eines klar: Open Banking ermöglicht Innovationen und treibt den Markt an, im Sinne des Kunden zu denken. Eines der Flaggschiff-Produkte in diesem Bereich ist sicherlich der vollautomatisierte Online-Kredit der DKB. Die Direktbank launcht im Oktober den „Sofortkredit” für Neukunden. Dabei ist im gesamten Kreditantrags- und Bewilligungsprozess bis hin zur Auszahlung kein Mensch mehr involviert. Die Algorithmus-basierte Kreditentscheidung unterstützt FTS mit dem Kontozugang und einer Kategorisierung von Umsätzen. Hilfreich dabei ist die präzise Datenclusterung durch FTS: „Die Treffsicherheit bei der Kategorisierung von Daten betrage mehr als 98 Prozent. Die kategorisierten Umsatzdaten bilden die Basis für die bankinterne vollautomatisierte Prüfung und Kreditentscheidung des Antrages. Diese wird zudem mit weiteren Scoring-relevanten Daten wie z.B. Auskunfteien verknüpft”, berichtet das IT-Finanzmagazin. Diese Meldung wurde auch im englischsprechenden Ausland sehr gut aufgenommen. So berichteten unter anderem die Fachmedien FinEXTRA und the Paypers über die Partnerschaft zwischen DKB und FTS.

Weitere Highlights im Bereich Produktentwicklung waren 2020 das erfolgreich eingeführte Konto-Rating, die Reconciliation (Zahlungsabgleich), der Profit-Loss-Check (entsprechend einer ”GuV”), die Liquiditätsprognose sowie die Erweiterung der Bankenabdeckung um die Neo-Banken Revolut, Kontist und Bunq. Mittlerweile sind mehr als 6.000 Banken über die Schnittstellen von FTS erreichbar, was einer Bankenabdeckung von über 99 Prozent entspricht. Neben der SWK Bank, die FTS zur Bonitätsprüfung einsetzt, gelangen mit Penta, Agicap, ERSTE Group, Arnadi Bank und Sberbank weitere wichtige Kundengewinne in den Bereichen FinTech und Banken.

Damit können wir bei FTS, was die Geschäftsentwicklung anbelangt, sehr zufrieden sein mit einem intensiven 2020, das viele Wendungen und Überraschungen bereit hielt. Insgesamt konnten wir 2020 62 Kunden gewinnen, unser Team um 16 auf insgesamt 60 MitarbeiterInnen erweitern und zudem den Break Even erreichen.

Für 2021 wünschen wir uns, dass wir die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Überwindung der Pandemie bewältigen und blicken daher mit großer Hoffnung und einer gesunden Portion Optimismus auf das nächste Jahr.

Schlagworte: Trends

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