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Die Evolution des Open Banking: ein historischer Abriss

20. March 2019 / in Knowledge

Lange schien es, als ob seit der Erfindung der Kreditkarte nicht viel passiert im Finanzsektor. In einer Welt im ständigen Wandel der Digitalisierung veränderte sich gerade im Bereich des Banking auffallend wenig. Seit wenigen Jahren ist der Markt dafür umso mehr in Bewegung. Nicht umsonst ist der Begriff Open Banking heute in aller Munde. Gefühlt wurde in den letzten Jahren täglich ein neues FinTech Start-up gegründet und die Innovation im Finanzsektor ist auf einem Allzeithoch. Und all das dank des brandneuen Open Banking?

Vorsicht, der Schein trügt! Die Innovation, die wir heute sehen ist in Wirklichkeit das Ergebnis vieler kleiner Errungenschaften auf dem Weg zum Open Banking. Die Geschichte vom traditionellen Banking zum heutigen Open Banking ist älter als Sie wahrscheinlich denken.

Tatsächlich reicht der erste Laufversuch des Online-Banking knapp 40 Jahre zurück. So lange ist es her, dass die Deutsche Bundespost ihr erstes Bildschirmtext-Experiment mit fünf externen Rechnern wagte. Im Schneckentempo konnten damals einige wenige Teilnehmer über BTX ihre Bankgeschäfte abwickeln.

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In Europa bekommt die breite Öffentlichkeit die Folgen aber tatsächlich erst seit kurzem, jedoch spätestens seit Inkrafttretens der PSD2 im Januar, so richtig zu spüren. Die Bemühungen der Europäischen Union um mehr Wettbewerb und Innovation im Bankensektor haben maßgebend zu der Entwicklung des Open Banking beigetragen. Man könnte die EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2, und ihren Vorläufer PSD1, sogar als die Grundlage für das Banking der Zukunft bezeichnen.

Doch fangen wir von vorne an…

1983: BTX - der Startschuss des “Open Banking”

1980 startete die Bundespost den besagten Feldversuch mit 300 Anbietern auf Unternehmensseite und rund 2.000 privaten Teilnehmern. Diese durften das neue Online-Banking-Angebot testen und, unter anderem, unter *300# ihre Überweisungen online durchführen. Zur Verfügung stellte diesen Dienst damals die Verbraucherbank (die heutige Norisbank). „Meine Bank im Wohnzimmer!” - so lautete das Motto für ihr BTX-Angebot (das später als T-Online Classic bekannt wurde).

Bereits die Innovation, die zu diesem ersten Versuch des Online-Banking via Bildschirmtext führte, war beachtlich. Den Anfang machte Alfred Richter, technischer Leiter der Bank, mit der Entwicklung des PIN/TAN-Verfahrens und der Idee des SB-Banking. Kundenkarten und Bankautomaten folgten.

Allerdings waren die Prognosen für das neue Online-Banking dann doch deutlich überzogen, wesentlich weniger Haushalte als erwartet installierten das BTX-System. Erinnern Sie sich noch? Die Schnittstelle war trotzdem kein Flop- sie wurde erst 2005, lange nach dem offiziellen Ende von BTX, endgültig abgestellt.

 

 

1998: HBCI / FinTs

1998 folgte die Homebanking Computer Interface (HBCI), eine in Deutschland entwickelte, standardisierte Schnittstelle für das Online-Banking und die Kundenselbstbedienung. Dabei werden Übertragungsprotokolle, Nachrichtenformate und Sicherheitsverfahren definiert.

Die ersten Entwürfe stammen aus dem Jahr 1995, wirklich praxistauglich ist HBCI jedoch erst seit der 1998 mit der Version 2.0. HBCI.

2002 wurde FinTS Version 3.0, die Weiterentwicklung von HBCI, veröffentlicht. FinTS steht für ‘Financial Transaction Services’. In Vorbereitung auf das Multibanking sollte FinTS die Verbindung zwischen Kunde und Bank vereinheitlichen. Im Gegensatz zu älteren HBCI-Versionen bietet FinTs das PIN/TAN-Verfahren und den Einsatz von Signaturkarten. Im Jahre 2004 wurde die Version FinTS 4.0 eingeführt und damit alle internen Datenstrukturen auf XML und XML-Schemas umgestellt. Weitere Schnittstellen wurden eingeführt und HTTPS zum neuen Kommunikationsprotokoll.

2004: Webscraping / Screenscraping durch Sofortüberweisung

2004 startete auch die heutige SOFORT mit einem Geschäftsmodell, das HBCI mit Screenscraping kombinierte. Per Screenscraping können gezielt Daten oder Informationen auf einem Bildschirm ausgelesen werden. Im Rahmen des Online-Banking ist das z.B. der Kontostand. Auf diesen Informationen basierend, können im nächsten Schritt auch Zahlungen von bankfremden Anbietern ausgelöst werden. Dazu muss der Bankkunde dem Dienstleister – einem Anbieter von Zahlungsauslösediensten (ZAD) oder auch Payment Initiation Service Provider (PISP) –  die Erlaubnis erteilen, auf seine Bankdaten zuzugreifen. Zu diesem Zweck meldet er sich mit seinen Online-Banking Daten auf der Plattform des Anbieters an.

Im Falle der Sofortüberweisung loggt sich der Kunde nach diesem Prinzip bei seiner Bank ein, um beispielsweise sein Bahnticket online zu bezahlen, worauf der Dienst alle weiteren Schritte bis zur Transaktion übernimmt.

Historisch gesehen ist Screenscraping besonders interessant, da es eine Möglichkeit darstellt auf Kundendaten auch ohne eine API, eine Schnittstelle der Bank, zuzugreifen. Allerdings ist Screenscraping seit jeher vielen ein Dorn im Auge. Auf der anderen Seite gibt es Befürworter, die, selbst jenseits der PSD2, eine Zukunft für Screen Scraping sehen.

2009: Klage von Giropay

Im Oktober 2009 verklagt der Online-Bezahldienst giropay seinen Mitbewerber Payment Network AG , Betreiber der Sofortüberweisung. giropay wirft der heutigen SOFORT unlauteren Wettbewerb und die Gefährdung der Sicherheit im Online-Banking vor. 2011 schreiten das Bundeskartellamt und das europäische Kartellamt ein, um eine Diskriminierung bankenunabhängiger Wettbewerber zu verhindern. Es ebnet damit den Weg für mehr Wettbewerb im Online-Banking - oder verhindert zumindest den Rückfall in das komplette Monopol der etablierten Finanzinstitutionen.

Der Grundstein für FinTech-Innovation und neue Zahlungsdienstleister ist damit gelegt. Wenig später gibt die EU-Zahlungsrichtlinie den Startschuss für eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen.

‘Open Banking is the biggest change to the system since the invention of the checkbook’ — A. Lockhart, head of Open Banking and Fintech Solutions at Royal Bank of Scotland.

Open Banking Timeline

2007 und 2018: Die PSD1 und PSD2 definieren das echte Open Banking

Was dann folgte, erleben wir heute live. Die Europäische Kommission entwickelte die PSD1, die erste Zahlungsdienste-Richtlinie, welche Ende 2007 in Kraft trat. 2013 veröffentlichte die Kommission bereits einen Entwurf für die zweite Version.

Im Januar 2018 wurde die PSD1 dann endgültig von der PSD2 abgelöst. Seit der zweiten Zahlungsdienste-Richtlinie ist die Bereitstellung von Schnittstellen für Banken verpflichtend. Über die neu geschaffenen APIs können Drittanbietern direkt Kontoinformationen abfragen und Zahlungen auslösen. Der Verband der Gründer und Selbstständigen in Deutschland hält die Zahlungsdienste-Richtlinie II für „so wichtig wie die Einführung der Kreditkarte“. 

Von der Gründung neuer Unternehmen über Banking-Innovationen bis hin zu neuen Möglichkeiten für Kreditvergabe, Vertragsoptimierung oder Vergleichsportale..  es steht außer Frage, dass sie viel frischen Wind in den Finanzsektor gebracht hat.

In unserem Whitepaper BANKING API – DIE SCHNITTSTELLE ZUR ZUKUNFT erklären wir im Detail wie die neuen APIs die Finanzwelt revolutionieren.

Die Zukunft der Geschichte

Mit der PSD2 beschloss die EU offiziell die Öffnung der Banken gegenüber Dritten (Third Party Providers) und fordert damit die Praxis des Open Banking konkret von den Banken ein. Sie müssen eine Schnittstelle bereitstellen, die von ihnen selbst und Drittanbietern vielfältig genutzt werden kann. Für den Bankkunden wird das Angebot dadurch vergrößert und verbessert, die Entscheidung, was er davon nutzen will bleibt bei ihm.

Damit ist auch für die Zukunft geregelt: Bankdaten gehören dem Kontoinhaber, nicht der Bank. Das Open Banking ist heute eine Realität im Alltag der Bankkunden. Wie viel sie davon zukünftig zu spüren bekommen, können sie selbst bestimmen.

Wie ging es weiter? Lesen Sie wie es heute um das Open Banking seit der PSD2 steht!

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Schlagworte: Knowledge

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