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Die Lastschrift ist tot, es lebe die Lastschrift: Bonitätsprüfung via XS2A macht’s möglich!

8. October 2019 / in Trends

Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) kam aus Sicht vieler Marktbeobachter einem Todesurteil für das Lastschriftverfahren gleich. Wenn ein Anbieter die Bezahlung per Lastschrift anbietet, muss er dies für alle Kunden tun – unabhängig davon, ob ein Kunde seinen Wohnsitz in Deutschland oder im Ausland hat. Geklagt hatte ein österreichischer Verbraucherschutzverein gegen die Deutsche Bahn. Die hatte das Lastschriftverfahren als Zahlungsoption bis dato lediglich Kunden mit Wohnsitz in Deutschland angeboten.

Darin sahen die österreichischen Verbraucherschützer eine unzulässige Benachteiligung und beriefen sich auf das Prinzip „Shop like a local“, das seit Dezember 2018 im europäischen Wirtschaftsraum gilt. Die Grundlage dafür bildet die sogenannte Geoblocking-Verordnung. Danach dürfen Kunden bei Online-Geschäften nicht aufgrund ihres Wohnortes oder ihrer Nationalität benachteiligt werden.

So urteilte der EuGH schließlich Anfang September, dass die Deutsche Bahn Kunden mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands das Lastschriftverfahren nicht vorenthalten dürfe. Technische Herausforderungen bei grenzüberschreitenden Zahlungen seien keine zulässige Rechtfertigung, bestimmte Zahlungsarten einzelnen Kundensegmenten vorzuenthalten. „Auf Wiedersehen Lastschrift, es war schön mit dir“, titelte das Online-Magazin t3n. Doch war’s das wirklich mit der Lastschrift?

Die Lastschrift, der Platzhirsch unter den Bezahlverfahren

In keinem anderen europäischen Land werden mehr unbare Zahlungsvorgänge über das Lastschriftverfahren abgewickelt als in Deutschland. Trotz vieler Innovationen im Bereich der Bezahlverfahren, getrieben durch Zahlungsauslösedienste, hält sich die Lastschrift mit einem Marktanteil von 19,7 Prozent bei Online-Zahlungen wacker auf dem dritten Platz. Nur der Rechnungskauf (27,9 Prozent) und Bezahlen per PayPal (20,5 Prozent) sind hierzulande beliebter.

In keinem anderen europäischen Land werden mehr Online-Zahlungsvorgänge per Lastschrift abgewickelt als in Deutschland.

Sollte das EuGH-Urteil nun tatsächlich das Ende der Lastschrift einläuten, wäre dies ein tiefgreifender Einschnitt in die deutsche Landschaft der Online-Bezahlverfahren. Doch was genau besagt das Urteil eigentlich?

Nach der Logik des Gerichts müssen Händler, die sich für eine Auswahl an Bezahlverfahren entscheiden, diese Zahlungsarten prinzipiell all ihren Kunden anbieten – nach dem Motto: gleiches Recht für alle! Wird das Lastschriftverfahren als Zahlungsart grundsätzlich angeboten, dürfe ein Online-Händler seinen Kunden nicht vorschreiben, dass diese ihr Konto in einem bestimmten Land führen, so die Sichtweise des EuGH.

Grenzüberschreitende Lastschrift: geht oder geht nicht?

Die ersten Reaktionen auf das EuGH-Urteil zur Lastschrift ließen nicht lange auf sich warten. Für Marktbeobachter wie den BargeldlosBlog, für die Deutsche Bahn sowie für Vertreter von Handelsverbänden rückt das Ende der Lastschrift in greifbare Nähe. Die befürchtete Konsequenz: Ein grenzüberschreitendes Lastschriftverfahren ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht realisierbar.

Diese Logik hängt wiederum mit einer Besonderheit des Lastschriftverfahrens zusammen, die viele Online-Anbieter bislang als allgemeines Geschäftsrisiko akzeptiert haben. Wer per Lastschrift bezahlt, kann seine Transaktion ohne Angabe von Gründen innerhalb eines Zeitraums von bis zu acht Wochen zurückbuchen lassen. Um sich gegen unberechtigte Rücklastschriften abzusichern und aufwendigen Mahnverfahren aus dem Weg zu gehen, setzen Händler auf eine Bonitätsprüfung im Hintergrund. Die Logik: Liquide Kunden verfügen über eine solide Zahlungsmoral und machen keinen Gebrauch von ihrem Recht zur Rücklastschrift.

Warum diese Form der Bonitätsprüfung vermeintlich nur im Inland funktioniert, erklärten die Anwälte der Deutschen Bahn vor dem EuGH ausführlich: „Es ist schlicht nicht möglich, eine angemessene Bonitätsprüfung in allen Ländern innerhalb des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums zu gleichen Bedingungen durchzuführen. Eine Bonitätsprüfung für Kunden mit Wohnsitz in Österreich ist um das 15-fache teurer als für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland.“

Bonitätsprüfung für Kunden aus dem Ausland ist möglich

Dabei könnten die Deutsche Bahn sowie viele andere Händler auch von einer effizienten Alternativlösung für die Bonitätsprüfung profitieren. Wo die Prüfmechanismen herkömmlicher Auskunfteien wie Schufa & Co. an der Landesgrenze halt machen, tun sich dank der neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 neue Möglichkeiten auf. Das Einverständnis der Kunden vorausgesetzt, dürfen zertifizierte Kontoinformationsdienste auf deren Online-Banking-Konten zugreifen und die Transaktionshistorie zum Scoring heranziehen.

Das ist, technisch gesehen, eine andere Lösung als es Schufa und andere Auskunfteien bieten. Aber das Verfahren liefert mindestens genauso akkurate Informationen zur Bonität eines Kunden. Denn während herkömmliche Auskunfteien in erster Linie mit historischen Daten arbeiten, analysieren Kontoinformationsdienste die Online-Konten des Kunden in Echtzeit.

Bonitätsprüfung für Kunden aus dem Ausland

Technisch möglich wird dies durch XS2A, den sogenannten „Access to Account“ über Banking-APIs, also den Zugang des Dienstleisters zum Online-Konto des Kunden. Die PSD2 hat für diesen Prozess den rechtlichen Rahmen geschaffen: Banken sind inzwischen dazu verpflichtet, Drittanbietern den Kontozugang zu ermöglichen, sofern ein Kunde dies wünscht.

Sie wollen wissen, wie der digitale Kontozugriff en détail funktioniert? In diesem Blogbeitrag finden Sie alle wichtigen Informationen zum Access to Account, abgekürzt XS2A!

Keine Renaissance der Lastschrift, aber auch nicht ihr Ende

Access to Account (XS2A) über Banking-APIs stellt also eine sehr gute und solide technische Lösung dar, um der Lastschrift noch viele Lebensjahre im deutschen Zahlungsverkehr zu garantieren. Ob dem altbewährten Zahlverfahren damit eine langfristige Zukunft beschert wird? Wahrscheinlich eher nicht, denn Apple Pay und andere neue Bezahlverfahren dürften den Markt für Zahlungsdienste in den kommenden Jahren ohnehin auf den Kopf stellen.

Bonitätsprüfung per #XS2A könnte der #Lastschrift noch zu vielen weiteren Lebensjahren im Zahlungsverkehr verhelfen.

Mit XS2A steht nun jedoch immerhin eine ergänzende Alternative zur konventionellen Bonitätsprüfung über die Auskunfteien zur Verfügung. Das dürfte die Lastschrift weiter am Leben erhalten und ermöglicht Kunden eine reibungslose Customer Experience beim Online-Checkout. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie weitere Fragen zu XS2A und Kontoinformationsdiensten haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

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Schlagworte: Trends

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