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Einmal um die Welt: Open Banking in Afrika, Amerika, Asien und Europa

25. February 2019 / in Trends

Mit der PSD2 hat die Europäische Union die Grundlagen für den Open-Banking-Trend gelegt. In Europa war der Start für das Open Banking alles andere als leicht. Die Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen von Richtlinien wie GDPR über PSD1 bis zu PSD2 sorgten für spezielle Herausforderungen in der EU. Für unseren Blog-Artikel zu der Historie des Open Bankings recherchierten wir bereits im Detail zu dem wer, wie und was der neuen Banking-Ära.

Dennoch ist Open Banking kein rein europäisches Phänomen, sondern von globalem Interesse. Heute widmen wir uns deshalb der Gegenwart und den globalen Neuigkeiten im Finanzsektor. Auf der ganzen Welt verfolgen Finanzunternehmen, Regierungen und Banken inzwischen die neuen Entwicklungen in Europa, oft um sich zu inspirieren oder zumindest auf dem Laufenden zu halten. Doch inwieweit nehmen sie sich daran auch ein konkretes Beispiel? Erfahren Sie, was Banken, FinTechs und Unternehmen weltweit bewegt!

Großbritannien - Die Vorreiter des Open Banking

Die Briten kann man getrost als einer der Vorreiter in Sachen Open Banking bezeichnen. Die United Kingdom’s Competition and Markets Authority wurde bereits letztes Jahr für ihre Bemühungen um einen reibungslosen, aber auch risikoarmen Weg für das Open Banking belohnt. Als erstes Land hat Großbritannien Open Banking in die Realität umgesetzt. In der ersten Phase ging es vor allem um Datenaustausch, dieses Jahr werden Zahlungen und Transaktionen dazukommen. Die Richtlinie für einheitliche API-Standards ist dabei das Herzstück einer sicheren, erfolgreichen Umsetzung.

Laut einer PwC-Studie verspricht man sich von dem Open-Banking-Trend zukünftig über 7 Milliarden Pfund zusätzliche Einnahmen und 71% der befragten KMUs sowie 64% der befragten Kunden wollen Open Banking in ihren Alltag integrieren. Jedoch stehen auch in England die Finanzinstitute und Banken mit den neuen Anforderungen vor der großen Herausforderung, sichere APIs bereitzustellen. Viele Banken konnten die Frist bisher nicht einhalten und es wurde ihnen eine Verlängerung gewährt.

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Australien - In den Fußstapfen des britischen Banking

Australien orientiert sich stark an den Entwicklungen in der UK und kam kürzlich der Open-Banking-Realität mit einem neuen Gesetzesentwurf einen großen Schritt näher. Die australische Regierung investiert bereits seit 2017 in die Entwicklung von möglichen Open API-Schemata und beauftragte ein Fachgremium, welches 2018 einem strategischen Bericht zu dem Thema veröffentlichte. Open Banking soll in Australien, insbesondere für Kreditnehmer, bahnbrechende Veränderungen bringen. Dieser verspricht, die Finanzwelt transparenter zu gestalten, bietet Kunden eine größere Auswahl an Anbietern von Finanzdienstleistungen und eine stärkere Kontrolle über die eigenen Finanzen.

Was sind die Konsequenzen? Australiens vier größte Banken – Commonwealth Bank of Australia (CBA), National Australia Bank (NAB), Westpac and The Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) – die um die 95% des Marktanteils besitzen, bereiten sich seit dem vergangenen Jahr intensiv darauf vor, ihren Kunden neue Dienstleistungen und Produkte via API-Banking anzubieten. Diese vier großen Player wurden von der australischen Regierung nun angewiesen, auf Wunsch des Kunden, Dritten die Einsicht in Kreditkarteninformationen, Transaktionsübersicht und Kundenkonten zu ermöglichen. Ähnlich der PSD2 in der EU ist dies die Grundlage für neue FinTech-Produkte und Dienstleistungen, nicht zuletzt für eine schnelle, einfache Kreditvergabe.

Weltkugel

Asien - ein Kontinent auf dem Weg zum Open Banking

Hongkong - ein innovativer Finanzhub

Asiens Finanz- und Wirtschafts Hub Hongkong führt auch im Bereich Open Banking die Revolution in Asien mit an. Im Januar 2018 veröffentlichte die Hongkong Monetary Authority (HKMA) einen Entwurf zu den Rahmenbedingungen für das Open Banking in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Diese diente als Basis für eine Öffentlichkeitsbeteiligung und soll den Weg ebnen für mehr Wettbewerb im Bankensektor und solide technische API-Standards für das Open Banking.

Singapur - klein aber oho!

Neben Honkong gilt auch Singapur als treibende Kraft des Open Banking. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) ermutigt die regionalen Finanzinstitute nachdrücklich, APIs bereitzustellen, um mehr Innovation und Kompatibilität mit anderen Finanzdienstleistern anbieten zu können.

Die MAS ist bekannt für ihre fortschrittliche, vorausschauende Einstellung zu Finanztechnologien und deren Rolle für ihren kleinen aber dynamischen Wirtschaftsraum. Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass Singapur auch Open Banking auf Anhieb als Chance für Vielfalt und Wettbewerb im Bankensektor verstand.

China - wenig Hürden für neues Banking

Über das Tempo mit dem China Bargeld und Kreditkarten zunehmend abschafft, können Kontinente wie Europa nur staunen. Die in anderen Teilen der Welt praktizierte Skepsis angesichts der Öffnung der Bankstrukturen und dem Zugriff auf Kundendaten ist in China kaum zu beobachten.

Der Weg von der Entwicklung zur Umsetzung ist in China deutlich kürzer als in anderen Ländern. Innovationen die Open Banking erst ermöglicht hat, wie etwa das mobile wallet, sind weitgehend akzeptiert, allerdings auch in festen Händen. Asiatische Mobile-Payment-Dienste wie WeChat und AliPay dominieren mit einen Marktanteil von 93% Chinas mobile Zahlungen. Tao Tao, Business Development Director, Alipay EMEA veranschaulicht mit einen Beispiel wie sehr AliPay-Produkte das Leben der Nutzer beeinflussen. Er erklärt, dass ein chinesischer Tourist, ganz egal wo, einfach die sogenannte ‘lifestyle super app’ öffnen muss, um individuelle Empfehlungen zu Unterkünften, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten zu bekommen. Die App führt ihn zu Orten an denen er mit der AliPay Wallet bezahlen kann. Kein Geldwechsel, kein Bargeld in der Tasche, die Nutzer müssen nur ihr Handy bei sich tragen. 

Sicherheitsbedenken sind jedoch auch in China aktuell. Kürzlich wurde außerdem die 2FA (2-Factor Authentication) implementiert, um dem massiven QR-Code-Betrug entgegenzuwirken.

Indien - ein komplexes Land voll innovativer Finanztechnologie

An offizieller Stelle hält man sich in Indien noch bedeckt, obwohl bereits vor Jahren politische Rahmenbedingungen für Konto-Aggregation, alternative Kreditvergabe, Blockchain und sogar die eigene Cryptocurrency geschaffen wurden. Finanztechnologie ist in Indien dennoch so komplex wie das Land selbst: Mit 29 Staaten und knapp 1,4 Milliarden Menschen sind einheitliche Standards eine Herausforderung der anderen Art.

Dennoch hat das Land viel Innovation zu bieten, weshalb es von einigen Medien als großer Hoffnungsträger für das Open Banking in Asien gehandelt wird. Diese und ähnlich zukunftsweisende Produkte erleichtern Indien und der lokalen FinTech-Szene den Einstieg in die Welt des Open Banking:
  • Aadhaar: Die größte zentrale Datenbank biometrischer Identitätserkennung weltweit birgt ein riesiges Potential für neue Finanzdienstleistungen.
  • IMPS: Eine Zahlungsdienstleister, ähnlich der SOFORT, mit beachtlichem Transaktionsvolumen seit 2010. Zum Vergleich: In vielen anderen Länder werden bis heute keine solchen Dienstleistungen angeboten oder nur marginal genutzt.
  • UPI: Ein direktes Peer-to-Peer-Zahlungssystem, das ohne Mittler auskommt und den Wettbewerb fördert sowie Kosten spart – ähnlich der PSD2 im europäischen Raum. Das große nationale Interesse an bargeldlosen Zahlungen sorgen außerdem für reichlich Motivation bei der Entwicklung der indischen Finanztechnologie.

Das Open Banking kommt auf der ganzen Welt mit einem wahren Schatz an Innovationen und neuen Geschäftsmodellen daher. Diese FinTech-Trends sollten Sie unbedingt im Auge behalten!

Japan - die olympischen Spiele sollen “open” werden!

In Japan wurden Banken dazu angehalten, ihre Kooperationen mit PISP, Anbietern von Zahlungsauslösediensten, und Account Information Service Provider (AISP) bis März 2018 öffentlich zu machen. 2017 gründete das japanische Finanzamt bereits ein FinTech Proof of Concept (PoC) Hub, welcher innovative Projekte und Arbeitsgruppen auswählt, um neue Produkte auf den Finanzmarkt zu bringen. In der Zwischenzeit verlangen Neuerungen in der Gesetzgebung von 80 japanischen Banken ihre APIs bis 2020 zu öffnen.

Im Juli 2018 wurde gar eine neue Regulierungsbehörde ins Leben gerufen, das Strategic Development & Management Bureau, um eine Strategie für den Finanzsektor zu entwickeln, in der FinTechs eine zentrale Rolle spielen sollen. Die Zeichen stehen auf Innovation: Noch vor den olympischen Spielen in Tokyo möchten alle involvierten Player das Bank- und Zahlungswesen des Landes deutlich voranbringen.

World infographic Open Banking

Vereinigte Staaten von Amerika - Open Banking auf amerikanisch

Während europäische Banken seit der PSD2-Richtlinien klare Regeln für die Umsetzung haben, hoffen die amerikanischen Behörden, dass sich der Bankensektor die Vorteile des Open Banking ohne staatliche Vorschrift zunutze macht. Die Regierung nimmt dabei eher eine unterstützende als fordernde Position ein. Washington will Innovation fördern ohne einzufordern und sehen wie das Open Banking sich entwickelt.

Das Financial Services Information Sharing and Analysis Center (FS-ISAC) führte 2018 zwar ebenso API-Standards ein, die an die Anforderungen der PSD2 in der EU erinnern. Banken wurde allerdings keine konkrete Frist für die Umsetzung gesetzt. Im Gegensatz zu der Europäischen Union geht der Staat davon aus, dass der Marktdruck ausreichen wird und dieser allein auch bestimmen sollte in welche Richtung sich der Finanzsektor entwickelt.

Finanzinstitute, FinTechs, Gesetzgeber und nicht zuletzt Kunden erwarten jedoch durchaus geordnete Abläufe für die Weitergabe von Kundendaten an Dritte und neue Finanzdienstleistungen. Insgesamt hat Open Banking in den USA daher auch noch kaum Fahrt aufgenommen. Lediglich die großen Banken haben bereits private, und teils exklusive, Übereinkommen mit einzelnen Partnern getroffen, die das amerikanische Open Banking weniger „Open“ machen könnten. Nichtsdestotrotz wird Open Banking auch in den USA zukünftig an Bedeutung gewinnen, wenn auch nicht mit dem gleichen Nachdruck, und der Geschwindigkeit, der Europäischen Union.

Kanada - Open Banking mit dem Kunden im Fokus

Kanada behandelt das Thema Open Banking demokratisch: 2018 beriet sich ein Fachgremium, ob man dem britischen Beispiel folgen sollte und veröffentlichte 2019 ein strategisches Konsultationspapier zu den Vorteilen des Open Banking. Basierend auf diesem Dokument wurde Anfang des Jahres die Öffentlichkeit hinzugezogen, Individuen und Organisationen können sich nun im Rahmen einer Öffentlichkeitsbeteiligung zu Themen wie Datensicherheit und Datenschutz äußern. Die kanadische Regierung zeigt sich zuversichtlich: Open Banking ermögliche innovative Produkte und Dienstleistungen, fördere die Transparenz im Finanzsektor und vereinfache Kunden das alltägliche Finanzgeschäft.

Südamerika - Mexiko führt die Bewegung an

Auf dem lateinamerikanischen Kontinent kristallisiert sich Mexiko als Vorreiter der Open Banking heraus. 2018 tat es sich insbesondere mit der Verabschiedung eines die FinTechs betreffenden Gesetzes hervor, welches FinTechs mehr Sicherheit bei Themen rund um Crowdfunding, Zahlungsmethoden und Cryptocurrencies gibt. Die Gesetzgebung bildet die Grundlage für Open Banking mit der Öffnung der Bankeninfrastruktur und Zugang zu Kundendaten für Produkte und Dienstleistungen von FinTechs.

Laufende Diskussionen zu der Umsetzung von API-Standards des Open Data Institute beleben in ganz Südamerika die Diskussion um das Open Banking. Die nationale Bankenkommission CNBV stellte in sechs Monaten die erste Reihe an Regularien für den Finanzsektor zur Verfügung, diese sollen spätestens nach 24 Monaten ergänzt werden. Auch von den anderen südamerikanischen Staaten ist zu erwarten, dass sie mit entsprechenden Gesetzgebungen nachziehen und Open Banking den Finanzsektor der ganzen Region dynamisieren wird.

Die Lösungen sind regional, die gemischten Gefühle global. Der Bankensektor ist kritisch, wir erklären warum Open Banking eine große Chance für Banken ist.

Afrika - Open Banking als große Chance für die Bevölkerung

Die Zukunft der afrikanischen Finanzwelt wird durch zwei Gegebenheiten geprägt: die starke Mobile-First-Ausrichtung und den hohen Bevölkerungsanteil ohne Beziehung zu einer Bank oder Zugang zu Finanzdienstleistungen. Besonders in afrikanischen Regionen in denen die Bevölkerung bisher keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hat, ist der Nutzen von Open Banking offensichtlich. Hier agieren oft Telekommunikationsunternehmen als Beschleuniger für das Open API Banking.

Aus diesem Grund konzentrieren sich die Bemühungen rund um das Open Banking auf alternative mobile Banking-Lösungen wie M-Shwari, M-Pesa oder Tala. Open Banking kann daher die Gelegenheit darstellen auf die Afrika gewartet hatte, um sein Bankwesen zu modernisieren und demokratisieren.

Trotz vieler regionaler Unterschiede ist sich die Finanzwelt auf der ganzen Welt in einem Punkt einig: Kunden sollen in Zukunft über ihre eigenen Daten, und damit, was mit ihnen geschieht, selbst entscheiden dürfen – und dies wird sich positiv auf das Banking-Erlebnis auswirken. Durch die verantwortungsvolle Nutzung können innovative Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle entstehen, die dem Kunden zugute kommen und den Finanzsektor diversifizieren. Bis dato haben sowohl die EU als auch Großbritannien gute Arbeit geleistet, doch auch die anderen Kontinente inspirieren sich zusehends an der PSD2 und Co. für einen sicheren Weg in die Zukunft mit Open Banking.

Und wie steht es heute um das Open Banking in Europa? Über aktuelle Fortschritte und Herausforderungen seit der PSD2 berichteten wir in diesem Blog-Artikel.

Schlagworte: Trends

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