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Der digitale Banking-Kunde im Profil: Wer nutzt Open Banking?

20. August 2019 / in Knowledge

Die Nachfrage nach Online-Krediten steigt, Challenger-Banken starten mit innovativen Banking-Services durch und Banking-Apps, die nicht von Banken betrieben werden, gewinnen an Beliebtheit. Innovationen wie diese verdankt die europäische Finanzwelt dem Open Banking. Durch PSD2 und FinTechs, die täglich mit neuen Innovationen aufwarten, dürfte sich die Open-Banking-Entwicklung weiter beschleunigen.

Doch was macht sie eigentlich aus – die Bankkunden, die die neuen Möglichkeiten von Kontoinformationsdiensten und Zahlungsauslösediensten nutzen? Wer sind die digitalen Banking-Anwender von heute? Und wie können Banken und FinTechs anhand dieser Informationen in Zukunft noch bessere Banking-Angebote gestalten?

Wir haben die uns vorliegenden Daten ausgewertet, um die Möglichkeiten des Open Bankings zu beschreiben und Potenziale aufzuzeigen, wie Banken, Kreditinstitute, Versicherungen und FinTechs aufgrund von validem Datenmaterial ihre Beratungskompetenz stärken können. Dabei handelt es sich um einen Snapshot, der nicht notwendigerweise repräsentativ ist für die Gesamtzahl der Nutzer der Open Banking Plattform von FinTecSystems oder gar die Open-Banking-Community insgesamt. Dennoch gewähren die Ergebnisse dieser Analyse spannende Einblicke in das Nutzerverhalten und sie zeigt, welches Potenzial Open Banking und Analytics bieten. Die gewonnenen Insights präsentieren wir Ihnen in diesem Blogbeitrag.

Wer nutzt Open Banking und Access to Account (XS2A)?

Mit mehr als 5.000 angebundenen Finanzinstituten und Zugang zu rund 100 Millionen Bankkonten betreibt FinTecSystems eine der umfassendsten Open Banking Plattformen in Europa. Die folgenden Insights basieren auf anonymisierten Transaktionen im Bereich der Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienste. Dabei handelt es sich also um reale Daten und nicht um Umfrageergebnisse oder Schätzungen.

Open Banking ist bislang überwiegend Männersache. 68 % der XS2A-Nutzer sind männlich, während bislang (leider!) nur 28 % weiblich sind 😕

Infografik: Wer nutzt Open Banking?

Schnell kristallisiert sich heraus: Mit 73 Prozent kommt die Mehrheit der Open Banking-Nutzer derzeit noch aus dem Privatkundenbereich. Bislang sind nur 27 Prozent der Nutzer, die per XS2A (Access to Account) Zugang zu ihren Konten gewähren, Geschäftskunden. Allerdings wies das Geschäftskunden-Segment in den vergangenen zwölf Monaten das verhältnismäßig stärkste Nutzerwachstum auf. Typische B2B-Anwendungsfälle wie Leasing, Einkaufsfinanzierung und Buchhaltung lassen sich mit Hilfe von Open Banking deutlich optimieren und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Ein weiteres Ergebnis, das uns sehr überrascht hat: 68 Prozent der privaten Open Banking-Nutzer sind männlich, 28 Prozent weiblich. Hier weicht die Geschlechterverteilung erheblich vom Gesamtverhältnis in Europa ab.

Bevor wir tiefer in die Details einsteigen, empfehlen wir Ihnen, einen Blick in unser Whitepaper Open Banking: Game Changer mit großer Zukunft zu werfen. Dort erfahren Sie, wie Banken und FinTechs das globale Banking-Ökosystem aufbauen. 

Die mit Abstand meistgenutzten Open-Banking-Services sind Kontoinformationsdienste (Account Information Services). 63 Prozent der untersuchten Transaktionen fanden im Rahmen von Kreditanträgen, Bonitätsprüfungen, Kontowechselservices oder bei der Nutzung von Banking-Apps statt – also immer dann, wenn ein Drittanbieter im Auftrag eines Kunden auf dessen Online-Konto zugreift, um Informationen zu aggregieren.

Auf Zahlungsauslösedienste (Payment Initiation Services) entfielen 37 Prozent der betrachteten Transaktionen. Dabei lösen, wie der Name schon sagt, nach PSD2 zertifizierte Drittanbieter im Auftrag eines Online-Banking-Kontoinhabers Zahlungen aus, beispielsweise im Rahmen von Online-Überweisungen im E-Commerce. Diese stellen inzwischen eine komfortable und beliebte Alternative zur konventionellen Bezahlung per Kreditkarte oder Online-Bezahldiensten wie PayPal dar. Die Nutzer von Zahlungsauslösediensten sind mit 89 Prozent überwiegend Privatkunden. (Hinweis in eigener Sache: Mit OnlineÜberweisen bietet FinTecSystems eine einfache und sichere Zahlungsmethode für den Online-Handel an.)

Welche Open Banking Services werden am meisten genutzt?

Beratungspotenzial vorhanden: Dispokredit reicht in fast der Hälfte der Fälle nicht aus

Ein differenziertes Bild ergibt sich beim Blick auf die finanzielle Situation und das Kreditverhalten der Open-Banking-Nutzer. 24 Prozent der Privatkunden verfügen über einen Dispositionskredit. Davon machen 20 Prozent gar keinen Gebrauch, während 45 Prozent ihren Kreditrahmen sogar überziehen.

Gleichzeitig überziehen 63 Prozent der Kontoinhaber, denen kein Dispokredit von ihrer Bank eingeräumt wurde, ihr Konto. In der Folge wurden bei 26 Prozent der analysierten Online-Konten Rücklastschriften eingeleitet. Bei 18 Prozent greifen Inkasso-Maßnahmen und 1,4 Prozent sind von Pfändungsmaßnahmen betroffen.

Wie sieht die Finanzsituation der Nutzer aus?

Mit einer soliden Analyse können Banken die Finanzsituation ihrer Kunden entlasten und optimieren. Die Erhebung und Anreicherung von Transaktionsdaten bietet hier viele Ansätze für kundenzentriertes Denken und Handeln. Dadurch können Finanzinstitute auf die individuelle Situation eines Kunden eingehen und beispielsweise im Fall einer dauerhaften Kontoüberziehung geeignete Kredit-Alternativen und Lösungen zur Umschuldung anbieten. Der Bedarf wäre da: Lediglich 36 Prozent der untersuchten Online-Banking-Konten wiesen im Zeitraum der Untersuchung einen positiven Saldo auf.

#OpenBanking macht’s möglich 🔍: Mit einer soliden Analyse können Banken die Finanzsituation ihrer Kunden entlasten und optimieren.

Digitale Haushaltsrechnung: Fast 20 Prozent des Nettoeinkommens entfallen auf Kreditverpflichtungen

73 Prozent der Open-Banking-Anwender sind Arbeitnehmer und verzeichnen einen regelmäßigen Gehaltseingang. Das Durchschnittsgehalt beträgt 2.144 Euro, der Median liegt bei 1.817 Euro. Damit liegt das Nettoeinkommen der Open-Banking-Nutzer leicht über dem Netto-Durchschnittsgehalt von 1.945 Euro in Deutschland.

Die Gehaltsstufen teilen sich folgendermaßen auf:

  • 19 Prozent mit Gehaltseingang von bis zu 1.000 Euro
  • 39 Prozent mit Gehaltseingang zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro
  • 25 Prozent mit Gehaltseingang zwischen 2.000 Euro und 3.000 Euro
  • 17 Prozent mit Gehaltseingang von mehr als 3.000 Euro

Open Banking Anwender

32 Prozent der Ausgaben entfallen auf die Miete, 19 Prozent auf Kreditverpflichtungen und 11 Prozent auf Ausgaben für Versicherungen. Der durchschnittliche Haushaltsüberschuss beträgt -87 Euro, wobei 41 Prozent der untersuchten Online-Banking-Konten einen positiven Haushaltsüberschuss in Höhe von 289 Euro aufweisen. Für 59 Prozent ist der Haushaltsüberschuss negativ und beträgt -352 Euro.

Angesichts der zuvor erwähnten Rücklastschriften wird auch hier das Optimierungspotenzial deutlich: Der Großteil der Rücklastschriften, die durch fehlende Deckung zum Zeitpunkt des Bankeinzugs entstehen, lässt sich durch eine Cashflow-Analyse und die Ermittlung des optimalen Zeitpunkts für den Lastschrifteinzug vermeiden.

Aufteilung der Ausgaben

Gerade bei der Haushaltsrechnung der Nutzer offenbart sich das enorme Potenzial von Open Banking. Transaktionsdaten in Online-Banking-Konten lassen sich mit wertvollen Informationen aus weiteren Quellen anreichern, wodurch sich ein umfassendes Bild der Bonitätssituation eines Kunden ergibt. Mit einer darauf individuell angepassten eingehenden Beratung durch Finanzinstitute lassen sich Überschuldungstendenzen, zum Beispiel durch prozentual überdurchschnittlich hohe Belastungen wie etwa Mieten in Großstädten, frühzeitig erkennen.

Open Banking ist damit die Basis für ein besseres Verständnis der Finanzsituation der Kunden und die Voraussetzung für eine vorausschauende Finanzplanung – ein wertvoller Service, mit dem Banken und FinTechs die Kundenbeziehung stärken und das Vertrauensverhältnis nachhaltig ausbauen können.

Möchten Sie ins Open Banking einsteigen oder Open-Banking-Strategien mit unseren Experten diskutieren? Fordern Sie Ihre persönliche Beratung an und kontaktieren Sie uns!

Die allen statistischen Angaben zugrunde liegenden anonymisierten Daten wurden zwischen Februar und April 2019 über die FinTecSystems Open Banking Plattform ausgewertet.

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Schlagworte: Knowledge

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