Open Banking meets RegTech

Zum Wohle von Anbietern und Konsumenten: Wie Open Banking die RegTech-Branche stärkt

19. August 2021 /

Es gibt eine neue Initiative auf EU Ebene, die einen verbindlichen Rechtsrahmen für KI-gestützte Prozesse schaffen soll. Dieser Rechtsrahmen wäre der erste seiner Art und Europa würde dadurch weltweit eine Vorreiterrolle auf legislativer Ebene einnehmen. Warum ein verbindlicher Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz wichtig ist, auf welche Gefahren die EU Kommission hier abzielt und welche Lösung Open Banking bieten kann, dazu haben wir mit Christian Mangold, CO-CEO von Fraugster, und Martin Schmid, VP Ident & RegTech bei FTS, gesprochen. Fraugster ist ein Unternehmen, dass sich auf KI-gestütKCYzte Zahlungssicherheit sowie die Verhinderung von E-Commerce-Betrug spezialisiert hat und sich intensiv mit der EU-Initiative beschäftigt.

Christian, warum muss der Einsatz von Technologie, die Künstliche Intelligenz nutzt reguliert werden?

Christian: KI-gestützte Software ist ja bereits stark in unserem Alltag integriert. Aber es kommt immer wieder zu KI-Entscheidungen, die unerwünscht sind beziehungsweise bei welchen nicht klar ist, warum der Algorithmus entschieden hat wie er entschieden hat. Konkret geht es um Bereiche wie beispielsweise Betrugsfrüherkennung, Kreditwürdigkeitsprüfung, Leistungsmanagement von Mitarbeitern und vieles mehr. Beispiele dafür sind die falsch positiven und falsch negativen Ergebnisse, die aus dem Einsatz von KI-Methoden entstehen. Da immer mehr Prozesse richtigerweise automatisiert werden,  ist eine mögliche Regulierung im Bereich KI definitiv begrüßenswert.

Welche Risiken hat die EU Kommission identifiziert für den Einsatz von KI? 

Christian: Der Kommission geht es vor allem um Risiken, die im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Methoden für Nutzer entstehen; Risiken vor allem in Bezug auf die Sicherheit der Nutzer und deren Grundrechte. Hinzu kommen eventuelle Rechtsunsicherheiten für Unternehmen. Daraus würde möglicherweise eine sehr viel langsamere Akzeptanz von KI-Technologien durch Unternehmen und Bürger resultieren, da einfach das Vertrauen fehlt. Uneinheitliche regulatorische Reaktionen der nationalen Behörden würden zudem das Risiko einer Fragmentierung des Binnenmarkts mit sich bringen.

Was sind beispielhafte Fragestellungen, die die Problematik verdeutlichen? 

Christian: Wir haben einige Beispiele identifiziert. Eine der am weitesten verbreiteten Fälle kommt aus dem E-Commerce. Immer wieder treffen KI-gestützte Systeme falsch-positive Entscheidungen und lehnen potenziell hochwertige Kunden ab, zum Beispiel beim Rechnungskauf. Falsch-positive Fälle sind aktuell ein wichtiger Grund für Konversionsverluste. Die Möglichkeit, einzelne Transaktionen zu untersuchen bei denen ein KI-Score die Entscheidung getroffen hat und Antworten für die Ablehnung zu finden, ist der Schlüssel zur Steigerung der Umsätze. Das heißt auch, wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, welche zusätzlichen Datenpunkte die KI-Entscheidungsfindung präziser machen.

Was bedeutet die Regulierung für Anbieter von KI-Technologien beziehungsweise Online-Händler oder Payment-Anbieter? 

Christian: Anbieter können in die Pflicht genommen werden, transparente Erklärungen zu liefern, wie bestimmte Scores und Vorhersagen zustande kommen. Diese Pflicht entsteht durch eine mögliche Regulierung, aber schon jetzt hat die Öffentlichkeit beziehungsweise der Kunde ein Recht darauf zu erfahren, wie der Score zustande kommt. Denn ganz offensichtlich gibt es immer wieder diskriminierende Fälle, in denen der Algorithmus nach Alter, Geschlecht oder Herkunft eine Entscheidung trifft. Was also bisher eine Art Black Box für den Konsumenten war, muss nun zur White Box werden: Entscheidungen von Algorithmen müssen nachvollziehbar und sichtbar werden.

Martin, Stichwort White Boxing: welche Rolle kann Open Banking für mehr Transparenz spielen? 

Martin: Open Banking ist ideal geeignet, um Nutzern transparent zu zeigen, welche Daten gerade geteilt werden für eine bessere Risikoeinschätzung, für die Ermittlung eines Scores oder für die Bonitätsbewertung. Durch die aktive Einwilligung des Nutzers, zum Beispiel beim Kontoblick, machen Infrastruktur-Anbieter wie FTS den Prozess sichtbar und erklärbarer. Mit Open Banking ist das “Data Orchestration Hub” greifbar nahe: Dadurch gibt es die Möglichkeit, durch Zusammenführung vieler Datenpunkte schon im Vorfeld Gefahren zu erkennen, beispielsweise bei den Themen Geldwäsche und Betrug. Die gesammelten Datenpunkte müssen transparent sein und präzise, dann bringt die Technologie einen echten Vorteil.

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Was erwarten Konsumenten vom Einsatz Künstlicher Intelligenz, z.B. beim Kreditantragsprozess und was erwarten Banken beispielsweise bei der Geldwäschebekämpfung? 

Martin: Alle Nutzer, die sich im Internet bewegen und Käufe oder Anmeldungen abschließen, erwarten eine schnelle, nachvollziehbare und transparente Entscheidung. Wenn beispielsweise in einem Zweipersonen-Haushalt mit vergleichbarem Hintergrund einer Person andere Zahlungsarten angeboten werden als der anderen, dann sorgt das für Irritation, Frustration und wahrscheinlich Kaufabrüche. Im B2B-Kontext wiederum kann auch die Betrugsbekämpfung, die immer wichtiger wird, nur mit  zuverlässigen und aussagekräftigen Datenquellen erfolgreich umgesetzt werden.

Wie könnte ein oben genanntes Data Orchestration Hub aufgebaut sein und rechtssicher eingebettet werden in Payment- und Banking-Prozesse ohne das Nutzererlebnis zu stören? 

Martin: Am einfachsten lässt es sich an einem populären Beispiel wie dem Rechnungskauf, beziehungsweise “Buy now, pay later” erläutern: Ein erheblicher Teil von (Neu-)Konsumenten wird für den Kauf auf Rechnung abgelehnt, meist aufgrund von falschen, veralteten oder gar fehlenden Informationen zur Person oder deren Bonität. Mittels Open Banking könnte der Data Orchestration Hub diesen Konsumenten dennoch den Kauf auf Rechnung über einen sogenannten “Second Chance Loop” ermöglichen. Hierfür loggt sich der abgelehnte Konsument in Echtzeit mit seinen gewohnten Online-Banking-Daten in sein Konto ein, um darüber seine Kreditwürdigkeit nachzuweisen. Nach erfolgreicher Prüfung kann der Konsument mit dem Kauf auf Rechnung fortfahren. Damit sind am Ende alle Beteiligten zufrieden.  

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Martin und Christian, wie schätzt Ihr die neue Regulierung ein? 

Christian: Als europäisches Unternehmen, dessen Kernwerte Integrität, Vertrauen, Exzellenz und Fürsorge (für unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner) unterstützten wir die Initiative vorbehaltlos.

Martin: Wir wissen um das Potenzial von KI-Methoden und Machine Learning. Doch die Technologie muss immer transparent sein, damit Vertrauen entsteht und mögliche Vorbehalte abgebaut werden auf Endkunden- wie auch auf Firmenkundenseite. Wir denken, diese Regulierung ist, wie auch schon die PSD2 absolut geeignet, Verbrauchern im digitalen Zeitalter verlässliche Leitplanken zu bieten.

Wie geht es weiter in Sachen EU Regulierung?

Nach dem Vorschlag der Kommission im April 2021 könnte die Verordnung in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in einer Übergangszeit (“transition”) in Kraft treten. In dieser Zeit würden die Standards in Auftrag gegeben und entwickelt werden und die eingerichteten Governance-Strukturen wären einsatzbereit. Frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 könnte die Verordnung anwendbar werden, wenn die Standards definiert sind und die ersten Bewertungen durchgeführt wurden. 

Vielen Dank für das Gespräch!

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